Die Website ist live – warum Euer Projekt trotzdem nicht fertig ist

01.09.2026 — agenturradar.com

Der Go-live ist einer dieser Termine, auf den in einem Digitalprojekt lange hingearbeitet wird. Konzepte wurden erstellt, Designs abgestimmt, Inhalte geschrieben, Funktionen entwickelt und unzählige Seiten getestet. Dann ist es endlich so weit: Die neue Website geht live. Geschafft! Projekt beendet!

Zumindest fühlt es sich für einen kurzen Moment so an.
Vor Kurzem haben wir selbst ein komplett neues Frontend für Agenturradar live geschaltet. Nach mehreren Monaten Arbeit war das ein ziemlich besonderer Moment. Natürlich haben wir vorher getestet, Inhalte kontrolliert und Seiten mehrfach durchgesehen. Trotzdem ist mir heute etwas aufgefallen: Auf einer Seite, die ich bestimmt dreimal Korrektur gelesen hatte, waren Überschriften als H3 statt als H2 ausgezeichnet. Keine Katastrophe, aber ein schönes Beispiel dafür, warum ein Go-live eben nicht das Ende eines Projekts sein sollte.

Manchmal braucht es einfach Abstand

Wer über Wochen oder Monate an einer Website arbeitet, kennt irgendwann jede Seite. Texte wurden mehrfach gelesen, Designs zigmal betrachtet und Funktionen immer wieder getestet. Genau das kann irgendwann zum Problem werden. Man sieht nicht mehr die Website, sondern das, was man von ihr erwartet.

Ein paar Tage Abstand können deshalb erstaunlich hilfreich sein. Plötzlich betrachtet Ihr Seiten wieder mit einem frischeren Blick. Kleinigkeiten fallen auf, Formulierungen wirken anders oder ein Prozess erscheint umständlicher als während der intensiven Projektphase. Dass nach einem Go-live noch Dinge auffallen, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass vorher schlecht getestet wurde. Eine komplexe Website lässt sich kaum unter allen denkbaren Bedingungen vollständig vorwegnehmen.

Die wichtigste Bedingung fehlt tatsächlich vor dem Go-live ohnehin: Der echte Alltag.

Jetzt kommen die echten Nutzer

Vor dem Go-Live basieren viele Entscheidungen auf Anforderungen, Erfahrung, Best Practices, Tests, Annahmen und Learnings aus der Vergangenheit. Das kann eine sehr gute Grundlage sein. Ob diese Annahmen stimmen, zeigt sich aber erst, wenn echte Nutzer auf die Website kommen.

Bei Agenturradar beginnt genau diese Phase für uns gerade erst. In den nächsten Wochen wird es für uns deshalb spannend zu beobachten, wie Besucher die neue Plattform tatsächlich verwenden. Dabei können ganz unterschiedliche Fragen interessant werden:

  • Welche Einstiegsseiten und Wege werden besonders häufig genutzt?

  • Welche Filter und Funktionen helfen tatsächlich bei der Orientierung?

  • Wo brechen Nutzer ab oder nehmen andere Wege als erwartet?

  • Welche Inhalte werden intensiv genutzt und welche kaum wahrgenommen?

  • Gibt es Stellen, an denen wir Bedienung oder Darstellung noch komfortabler machen können?

Analytics, Search Console, interne Suchanfragen oder direktes Nutzerfeedback liefern dafür wertvolle Hinweise. Aus einem Bauchgefühl wird damit nach und nach eine belastbare Grundlage für weitere Entscheidungen.

Auch Redakteure müssen eine neue Website erst kennenlernen

Nicht nur Besucher lernen eine neue Website nach dem Go-Live kennen. Gleiches gilt für diejenigen, die täglich damit arbeiten. Während eines Projekts werden typische redaktionelle Prozesse getestet. Seiten werden angelegt, Bilder gepflegt, Inhalte übersetzt oder Metadaten hinterlegt. Im tatsächlichen Betrieb entstehen aber Routinen, die sich in einem Test nur schwer simulieren lassen.

Vielleicht braucht ein häufiger Arbeitsschritt unnötig viele Klicks, vielleicht fehlt eine kleine Funktion, an die vorher niemand gedacht hat oder ein Sonderfall tritt plötzlich regelmäßig auf. Solche Erkenntnisse sind kein Zeichen dafür, dass das Projekt gescheitert ist. Im Gegenteil: Sie sind eine wichtige Grundlage dafür, das System weiterzuentwickeln.

Plant nicht das gesamte Budget bis zum Go-Live

Genau deshalb sollte ein Relaunchbudget nicht gedanklich am Tag des Go-Lives enden.

Natürlich braucht es nach dem Launch zunächst Kapazitäten für mögliche Fehler und technische Nacharbeiten. Viel interessanter ist aber die anschließende Optimierungsphase, denn jetzt könnt Ihr erstmals Entscheidungen auf Basis realer Nutzung treffen. Sinnvoll kann beispielsweise sein, bereits im Projekt einen Review einige Wochen nach dem Go-Live einzuplanen. Gemeinsam mit Eurer Agentur könnt Ihr dann Nutzerverhalten, redaktionelle Erfahrungen, technische Auffälligkeiten und erste Verbesserungsideen betrachten und priorisieren.

Aus dem klassischen Ablauf

Konzeption → Umsetzung → Test → Go-live → fertig

wird damit ein sinnvollerer Prozess:

Konzeption → Umsetzung → Test → Go-Live → beobachten/analysieren → lernen → optimieren

Der Go-Live ist eine wichtige Ziellinie, aber nicht die letzte

Bei Agenturradar stehen wir gerade genau an diesem Punkt. Das neue Frontend ist live und ein großer Teil der Arbeit damit geschafft. Gleichzeitig beginnt jetzt eine Phase, auf die ich mindestens genauso gespannt bin: Mit etwas Abstand noch einmal auf die Plattform zu schauen, ihre tatsächliche Nutzung zu verstehen und daraus Schritt für Schritt Verbesserungen abzuleiten.

Denn eine gute Website ist nicht die Website, die am Tag des Go-Lives perfekt erscheint. Sie ist die Website, die sich mit ihren Nutzern und den Anforderungen an sie weiterentwickelt.

Ihr wollt wissen, wie sich Eure Website nach dem Go-live tatsächlich schlägt? Mit Analytics, Nutzerfeedback und einem strukturierten Review könnt Ihr schnell erkennen, wo Optimierungspotenzial steckt und welche Maßnahmen wirklich sinnvoll sind. Wenn Ihr dabei Unterstützung braucht, meldet Euch gerne bei uns.

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